Kapitel 1: Die Entstehung des Patriarchats

Wir gehen davon aus, dass das Patriarchat nicht den „Naturzustand“ des Menschen darstellt. Es hat sich historisch entwickelt und verändert. Wie das vonstatten ging und geht, ergibt sich daraus, wie die Gesellschaft aufgebaut ist. Darüber soll dieser Text einen Überblick geben. Wir konzentrieren uns dabei zunächst vor allem auf die ökonomischen Verhältnisse, weil diese der Boden sind, auf dem sich politische und kulturelle Aspekte aufbauen. Natürlich wollen wir aber auch die Wechselwirkungen dazwischen behandeln.

Allgemein wird das Patriarchat als die Herrschaft des Mannes verstanden. Daraus leiten sich Formen wie Sexismus, Unterdrückung und Gewalt ab. Diese lassen sich nur dann verstehen, wenn wir nachvollziehen, wie diese Herrschaft entstanden ist.

Der Marxismus als Wissenschaft gibt uns das Werkzeug an die Hand, die Gesetze der Entstehung und Weiterentwicklung des Patriarchats zu begreifen. Dabei leitet uns der Satz der Feministin und Revolutionärin Alexandra Kollontai:  „Die Stellung der Frau in der Gesellschaft ist immer ein Resultat aus den Arbeitsaufgaben, die ihr innerhalb eines ökonomischen Systems gegeben werden“. (Kollontai 1975, S. 14f)
Mit diesem Instrument können wir uns ein schlüssiges Gesamtbild über den Verlauf der Geschichte erarbeiten. Wir können so die Beschreibungen über den gesellschaftlichen Stand der Frau in den verschiedenen Gesellschaftsformen der Geschichten interpretieren und aus den Gesetzen, die sich daraus ergeben, eine entsprechende Strategie zu ihrer Überwindung erarbeiten. Die verschiedenen Gesellschaftsformen bauen aufeinander auf, sind aber nicht in Sinne von klar trennbaren Etappen zu verstehen. In Europa gingen die Gesellschaftsformen wie im Folgenden dargestellt wird, in einander über, in anderen Teilen der Erde gab es andere Entwicklungen. Schauen wir uns also an, wie  das Patriarchat entstanden ist und wie es sich bis heute weiterentwickelt hat.

Die Unterdrückung der Frau in der heutigen Gesellschaft ist keine natürliche Ordnung, sondern ein historisch gewordenes Konstrukt, das auf den ökonomischen Strukturen des Kapitalismus basiert. Die Ausbeutung der Arbeitskraft der Frau ist tief in den Grundfesten des kapitalistischen Systems verwurzelt und findet sich in jedem Aspekt des gesellschaftlichen Lebens wieder.

Die Urgesellschaft

Von den vorgeschichtlichen Kulturstufen (Engels 1975, S. 30), mit der wir im Allgemeinen die „Steinzeit“ meinen, bis zum modernen Kapitalismus hat sich die Rolle der Frau im Zuge der ökonomischen Entwicklung ständig gewandelt. In der Urgesellschaft (Begriff nach Friedrich Engels), welche ca. 300.000 Jahre umfasst und damit als die längste Epoche der Menschheit gilt, gab es keine festen Geschlechterrollen oder Hierarchien. Frauen und Männer arbeiteten gemeinsam an der Produktion und Reproduktion und teilten die Verantwortung für das Überleben der Gemeinschaft.

Es gab hier keine systematische Unterdrückung und Abhängigkeit der Geschlechter. Stereotype wie “Männer sind Jäger, Frauen sind Sammlerinnen” sind historische Projektionen, die in der Geschichtsschreibung im Nachhinein interpretiert wurden und sich den neuere archäologischen Erkenntnissen nach nicht bestätigen lassen (Gerda Lerna 1991, S.35). In der Urgesellschaft ging die Erbschaftslinie nach der Frau. Es gab keine institutionalisierte Monogamie und dementsprechend war es schwer festzustellen, von welchem Mann welches Kind kam.

Doch mit der Einführung des Privateigentums und der Entwicklung der Klassengesellschaften änderte sich dies drastisch. Die patriarchalen Strukturen des Privateigentums entstanden, und Frauen wurden zunehmend in die Rolle der Hausfrau und Mutter gedrängt, während Männer die öffentliche Sphäre dominierten und die Produktionsmittel kontrollierten. Da nun Männer über die Besitztümer verfügten, zwangen sie der Frau einseitig die Monogamie auf, um sicherstellen zu können, an ihre eigenen männlichen Nachkommen vererben zu können.

Mit der Sesshaftwerdung der Menschen ergab sich eine wichtige Unterscheidung der Stämme nach ihrer Ernährungsweise. Dies bedingte auch die Entwicklung des Patriarchats in den verschiedenen Gesellschaften.
Zum einen gab es Stämme, in denen überwiegend Viehzucht betrieben wurde. Hier bewachten Mütter vermehrt die Kinder und zähmten das Vieh, während der Rest jagen ging.
Frauen schafften hier weniger (Gebrauchs-)wert für das Kollektiv und wurden daher nicht mehr als gleichrangig betrachtet. Das Jagen und Fangen des Viehs wurde höher bewertet als es zu hüten. 

Mit dem Zähmen und Züchten von Tieren entstand das Privateigentum. Die „Minderwertigkeit“ der Arbeit der Frauen führte mit der Entstehung des Privateigentums zu ihrer schlechteren Stellung. In den Stämmen, die vor allem Ackerbau betrieben, war die Entwicklung der Stellung der Frau etwas komplexer. Hier gab es eine Gleichzeitigkeit von Landwirtschaft und Jagd, die ebenfalls eine geschlechtliche Arbeitsteilung hervorbrachte. Die Landwirtschaft war jedoch die wichtigere Ernährungsquelle des Stammes. Frauen waren demnach die Haupternährerinnen und daher an der Spitze der Gesellschaft. 

Die Arbeitsteilung bedingte verschiedene Erfahrungen der Geschlechter. Sowohl bei den Ackerbau als auch bei den Jagd betreibenden Stämmen, führte sie dazu, dass die Frauen, die in den Wohnstätten zurückblieben und verantwortlich für den Ackerbau, Haushalt und das Aufziehen der Kinder waren, ihre Beobachtungsgabe und ihren Verstand weiter entwickelten – während gleichzeitig die Männer, die auf die Jagd gingen und erste Kriege führten, ihre Körper, ihr Geschick und ihre Muskeln weiter entwickelten. 

In dieser Zeit entstand auch in den Ackerbau betreibenden Stämmen das Privateigentum. Jedoch hatte die Frau hier dank ihrer wichtigen Rolle im Produktionsprozess noch eine höhere Stellung im Kollektiv. Sie war die Haupternährerin der Familie. Die Erbschaftsfolge richtete sich noch immer nach der Blutlinie der Frauen.

Doch bei den matriarchalen Verhältnissen blieb es nicht. Das ökonomische System wurde mit der Zeit komplexer.  Ausschlaggebend dafür war die zunehmende Produktivität der menschlichen Arbeit und damit die Anhäufung von Reichtum. 

Diese Weiterentwicklung von Ackerbau und Viehzucht führte dann auch zu einem neuen Wirtschaftszweig: der Hauswirtschaft. Dass Frauen diejenigen waren, die diese übernahmen, entwickelte sich aus ihrer Stellung im vorherigen Produktionsprozess heraus. Die Frau wurde zum ersten menschlichen „Wesen, das in Knechtschaft kam. Die Frau wurde Sklavin, ehe der Sklave existierte.“ (August Bebel)

Das war das Ende der Urgesellschaft. Die Urgesellschaft wurde von einem ökonomischen System abgelöst, das auf Privateigentum und zunehmendem Tausch, d.h. Handel, basierte.
Die Gesellschaft teilte sich nun in Klassen auf.

Verfestigt wurden diese Strukturen durch eine Verschiebung der Erbschaftslinien von der Frau zum Mann. So wurde auch die ökonomische und häusliche Bindung an den Mann und die Durchsetzung der Monogamie erreicht. Das Produkt dieser rechtlichen Reformen und die ökonomische Unterdrückung sehen wir in angepasster Form noch heute im patriarchalen Kapitalismus.

Die Sklavenhaltergesellschaften

In den verschiedenen Sklavenhaltergesellschaften der Geschichte, also z.B. dem antiken Griechenland, oder den ersten Hochkulturen wie Ägypten, basierte die Ökonomie, wie der Name sagt, zum größten Teil auf Sklavenarbeit. Unter Sklav:innen gab es zwar unterschiedliche Aufgaben für Männer und Frauen, beide waren hier aber im Grunde rechtlos und unterdrückt. Sie waren Besitz des Herren. Die Männer mussten z.B. auf den Feldern arbeiten, die Frauen wurden meist im Haus versklavt. 

Unter den freien Menschen wurden Frauen mehr und mehr in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau gedrängt. Das zeigte sich auch in ihrer politischen Rechtlosigkeit. Natürlich gab es hier auch Ausnahmen, in denen Frauen Funktionen als Herrscherinnen und/oder Hohepriesterinnen einnehmen konnten. Das war insbesondere in Gesellschaften, die noch stark auf Landwirtschaft basierten, der Fall,  z.B. bei Kleopatra in Ägypten. Diese bildeten aber stets gesellschaftliche Ausnahmen. So war die Rolle der Priesterin meist an Jungfräulichkeit gebunden und der Status konnte nicht vererbt werden. Der Handlungsspielraum von Herrscherinnen wich zudem kaum von dem der männlichen Herrscher ab und reproduzierte daher dennoch das Patriarchat.

Der Feudalismus

Im Feudalismus wurde die Familie zur Produktionseinheit, Produktion und Reproduktion wurden also in der Familie getätigt. Die Geschlechter teilten sich die Unterdrückung durch den Leibherrn. Frauen übten jedoch häufiger reproduktive Arbeit aus. 

Im Feudalismus übernahmen die Familien eine besondere ökonomische Funktion. Als kleinstmögliche Produktionszellen der kleinbetrieblich-landwirtschaftlichen Produktion bestellten sie die Felder im Besitz der Feudalherren und verrichteten Frondienste an diese. Mann und Frau teilten sich also die Unterdrückung durch den Leibherrn. Die Familie war eine Produktionseinheit, in der Frau und Mann produktive Arbeit auf dem Feld verrichteten, die Frau zusätzlich reproduktive Arbeit. 
Die Kirche, als kulturell-strukturierender Überbau des Feudalismus, legitimierte und forcierte patriarchale Unterdrückung, die über die dörfliche Gemeinschaft in die Familienhaushalte vermittelt und rückwirkend bestätigt wurde. Im Bund der Ehe manifestiert sich das Patriachat im Haushalt. Entgegen neuzeitlicher Romantisierung kam dieser in ihrem Ursprung ein rein pragmatisch funktioneller Anspruch zu. Als Übergabevertrag der Frau vom Vater zum Ehemann wurde durch diese dem Hof des Mannes eine Reproduktionsstätte gesichert. Dieser entrichtete im Gegenzug eine Brautgabe an den Vater. Die ehelichen Pflichten – die Verfügung über die Reproduktionsorgane der Frau – sicherten ihm Nachwuchs, der auf dem Feld half, eine Altersabsicherung gewährte und die höfischen Zellen weiterführte.

Gesellschaftlich war die Frau generell unterhalb des Mannes angesiedelt. Dies galt für alle Frauen, egal, welchem Stand sie angehörten. Die Frauen des Adels oder Klerus genossen zwar einige Privilegien und genossen z.B. einen höheren Lebensstandard als die Frauen der unteren Stände, doch auch sie waren keineswegs gleichgestellt mit den Männern. Die Unterordnung der Frau unter die Vormundschaft des Mannes führte zu weitreichenden Konsequenzen und betraf alle Lebensbereiche wie die soziale, wirtschaftliche sowie rechtliche Position der Frau. 

Eine der wohl bekanntesten und brutalsten Formen der Unterdrückung der Frau war die „Hexenverfolgung“, die zehntausenden Frauen das Leben kostete (vgl. Federici 2021). Hier sehen wir in aller Deutlichkeit, wie Institutionen, in diesem Fall die Kirche, über Ideologie das Patriarchat stützen und in Teilen auch direkt umsetzen.

Der Kapitalismus

Aufgebrochen wird diese feudale Produktionseinheit in der sogenannten ursprünglichen Akkumulation. Hier wurden die Bauern enteignet und immer mehr in die Städte verdrängt, wo sie nunmehr ihre eigene Arbeitskraft verkaufen mussten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ab diesem Punkt setzte sich der Kapitalismus als das bestimmende System durch.
Der Mann wird hier zum Lohnarbeiter in der gesellschaftlichen Produktion. Jetzt wird die Frau aus der Produktion verdrängt und in ihre Rolle in der reproduktiven und privaten Arbeit genötigt. Der Kapitalismus setzt auf getrennte (Re-)produktionssphären als Grundprinzip. 

In verschiedenen Phasen, vor allem während Kriegen oder Krisen und spätestens seit dem Neoliberalismus (seit den 70ern) werden Frauen wieder in die Erwerbssphäre miteinbezogen. Frauen gehen zwar arbeiten, werden aber nicht gleich entlohnt. Neben dieser Arbeit wird die Reproduktionsarbeit allerdings nicht aufgeteilt. Sie bleibt weiterhin die Aufgabe der Frauen in Form von privater Arbeit.
Um sicherzustellen, dass die Reproduktionsarbeit von Frauen aufrechterhalten wird, werden sie ungleich bezahlt. Zudem wird diese Unterdrückung durch patriarchale Rollenbilder und geschlechtsspezifische Gewalt aufrechterhalten.

Im großen Stil wurden Frauen während des 1. und 2. Weltkriegs Teil des Industrieproletariats. Während Männer an der Front kämpfen und sterben mussten, fehlten sie als Arbeiter in den Rüstungsfabriken. Hier setzte der Staat zunehmend auf die Frauen.
Nach Ende des Krieges sahen viele darin eine Emanzipation, die sie sich nicht mehr nehmen lassen wollten. Hinzu kam auch eine zunehmende Rolle in Arbeitskämpfen und politischer Organisierung.
Die aus dem Krieg zurückkehrenden Männer, die ihre Traumata, Verstümmelungen und Desillusionierung mitbrachten, wurden schnell mit den politischen Verwerfungen und wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik konfrontiert. In diesem Klima wurden Frauen bzw. Familien, in denen die Frau und der Mann arbeiteten, als “Doppelt-Verdienerinnen” beschimpft. Es wurde gefordert und häufig auch durchgesetzt, dass sie zugunsten arbeitsloser Männer aus dem Anstellungsverhältnis zurück treten und sich zuhause um die Familie kümmern sollen. (Hervé 1982, S. 120 ff.) Sie wurden also einmal mehr wieder aus der Arbeit in der Produktion in die Reproduktion der Arbeitskraft ihrer Ehemänner verbannt.
Mit den in die unentlohnte Reproduktion verdrängten Frauen in der Hinterhand, konnte das Kapital den arbeitenden Männern signalisieren, dass diese keine Lohnforderungen an den Kapitalisten stellen dürfen, denn sonst könne dieser ja eben auch eine Frau einstellen, die für viel weniger Geld arbeitet.
In den 50er Jahren etablierte sich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung dann eher ein Modell des sogenannten “Familienlohns”. Das war ein Gehalt, mit dem der Mann als alleiniger Verdiener die gesamte Familie ernähren konnte. Der Mann trat hier offensichtlich als Stellvertreter der Kapitalist:innen im Haushalt auf. Er verfügte über das Geld der Familie. Die Frau muss sich bei ihm Erlaubnis einholen, wenn sie arbeiten oder ein Konto eröffnen will. Der Mann hatte somit die ökonomische Macht über die Frau.

Der patriarchale Kapitalismus heute

Die patriarchalen Strukturen des Kapitalismus haben sich im Laufe der Geschichte weiter verfestigt und die Ausbeutung der Frau hat sich weiter verschärft. Doch trotz der Unterdrückung haben Frauen immer wieder Widerstand geleistet und für ihre Rechte gekämpft und dadurch auch Einzug auf dem Arbeitsmarkt erhalten.
Damit ist es aber heute Standard, dass die Frau doppelt unterdrückt wird: Zuhause vom Ehemann als Nutznießer des Patriarchats, der nach der Lohnarbeit die Füße hochlegen kann, während die Frau ihre “zweite Schicht” antritt, um alles Nötige für den Erhalt und Wiederaufbau der Arbeitskraft des Mannes zu tun. Zum Anderen wird sie in der Lohnarbeit als Proletarierin ausgebeutet.

Die Lage der Arbeiterin ist eine, die so ziemlich alle Nachteile der männlichen Proletarier mit sich bringt. Und eben noch einige mehr. Durch die Doppelbelastung der Hausarbeit und Kindererziehung arbeiten Frauen viel häufiger in Teilzeit und damit auch in schlechter bezahlten und prekären Anstellungsverhältnissen. Dazu kommt eine Auszeit, die durch Schwangerschaft, Elternzeit und oft auch die Pflege Angehöriger ausgelöst wird und den Wiedereinstieg ins Berufsleben erschwert. Zusätzlich kommen noch mehr Fehltage durch Krankheit aufgrund der erhöhten Anstrengung der doppelten Belastung hinzu. Das deutlich niedrigere Einkommen und insgesamt weniger Arbeitsjahre, in denen für die Rente eingezahlt werden kann, führen zu einem deutlich höheren Risiko der Altersarmut. 

Wir sehen also: Der Kapitalismus braucht das Patriarchat, um sich aufrecht zu erhalten. Und das Patriarchat in seiner aktuellen Form stützt sich auf den Kapitalismus. Ihr gemeinsames Auftreten ist also kein Zufall sondern in ihrer Struktur und Funktionweise begründet. „Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichheit der Geschlechter“ (Bebel 1980, S. 43)

Im heutigen Stadium, in dem Mann und Frau arbeiten gehen, verdienen sie nicht doppelt. Es kommt kein doppelter “Familienlohn” rum, wie der Mann ihn in den 1950ern erwirtschaftet hat. Der “Familienlohn” des Mannes ist nunmehr auf zwei Personen verteilt. So gewinnen die Kapitalist:innen bei quasi konstanten Lohnkosten doppelte Arbeitskraft und dadurch mehr Arbeit, die sie für Profit ausbeuten können. Durch die Einbeziehung der Frau in den Arbeitsmarkt steigt also die Profitrate.
Dabei müssen Frauen aber die Reproduktion der Arbeitskraft ihres Partners, sowie ihrer eigenen, weiterhin gratis erledigen, also alles Nötige tun, damit beide am nächsten Morgen noch genauso fit weiterarbeiten können.

Neben der ökonomischen Dimension, die wir hier in den Vordergrund gestellt haben, kommt der gesellschaftliche, der ideologische Teil natürlich noch oben drauf. Die verinnerlichte Ideologie des Patriarchats begegnet uns in seinen Ausprägungen als  Sexismus, Heteronormativität und damit auch Transphobie, Homophobie und Queerfeindlichkeit und schlägt sich in alltäglichen Erfahrungen von Diskriminierung, Übergriffen, Gewalt zu Hause und in der Öffentlichkeit bis hin zu Femiziden nieder. Diese Gewalt beginnt also bei sexistischen Witzen und geht über sexuelle Belästigung und häuslicher Gewalt sogar bis hin zu Mord. Jede Stufe dieser Gewaltspirale gehört bekämpft und muss sichtbar gemacht werden. 

Zuletzt ist das Patriarchat ein Mittel zur Spaltung der arbeitenden Klasse. Die ökonomische und gesellschaftliche Dimension der doppelten Unterdrückung, das daraus resultierende Privileg der Männer, die internalisierte Ideologie des Patriarchats und das ganz konkrete patriarchale Verhalten (In Form von Gewalt und Sexismus) halten die Arbeiter:innen davon ab, ihren gemeinsamen Feind zu erkennen und sich gemeinsam zu organisieren.

Literatur:

Bebel, August. 1980 (1879) Die Frau und der Sozialismus. Dietz Verlag.
Volltext abrufbar unter: http://www.mlwerke.de/beb/beaa/beaa_000.htm

Engels, Friedrich. 1975 (1884) Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. In: Karl Marx/Friedrich Engels – Werke. Dietz Verlag. Band 21.
Volltext abrufbar unter: http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_025.htm

Federici, Silvia.  2021 (2017). Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Mandelbaum Verlag. 

Hervé, F., & Doormann, L. (1982). Geschichte der deutschen Frauenbewegung. Pahl-Rugenstein.

Kollontai, Alexandra. 1975 (1921) Die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung. Vierzehn Vorlesungen vor Arbeiterinnen und Bäuerinnen an der Swerdlow-Universität 1921. Verlag Neue Kritik.  Volltext abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/kollontai/1921/frau/index.html

Lerner, Gerda (1991) Die Entstehung des Patriarchats. Campus Verlag