Antisemitismus und Rassismus werden in Deutschland, dem Land, das einen Völkermord an den Herero und Nama sowie an den Rom*nja und Sinti*zze und den europäischen Jüd:innen zu verantworten hat, in der Regel auf dieselbe Weise beantwortet .
Die Zivilgesellschaft und Regierungsvertreter:innen zeigen sich symbolisch betroffen, wenn Faschisten in Hanau oder Halle rassistische und antisemitische Morde begehen. Aufklärung oder tatsächliche Maßnahmen, die Folgetaten verhindern könnten, erfolgen nie. Das ist kein Wunder, denn beides liegt schlichtweg nicht im Interesse dieses Staates.
Auch aktuell gibt es antisemitische Angriffe. Am Freitag, den 05. April, warfen Unbekannte einen Brandsatz auf die Tür der Synagoge in Oldenburg. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Am 07. April instrumentalisierte die faschistische Organisation der „Jungen Nationalisten“ in Eisleben mit einer Kundgebung die Todesopfer in Gaza für ihre antisemitische Hetze. Schlimm genug. Der deutsche Umgang mit Antisemitismus macht es kaum besser:
Vermeintlich linke Rapper der Antilopengang projizieren den grassierenden Antisemitismus kurzerhand auf Palästinenser:innen, anstatt sich zu fragen, was Deutsche eigentlich mit Antisemitismus zu tun haben, oder was für eine Auswirkung die eigene antisemitische Gleichsetzung des Staates Israel mit Juden und Jüdinnen hat.
Die „Vergangenheitsbewältigung“ dieser Art schützt weder jüdisches Leben, noch trägt sie irgendetwas dazu bei, denen das Handwerk zu legen, vor denen es geschützt werden muss. Insgeheim ist man wohl froh, endlich wieder zu den Guten zu gehören und sich so von seiner Schuld rein zu waschen. Die vorgetäuschte Unangepasstheit täuscht über die vertonte Staatsräson nicht hinweg.
Gleichzeitig werden linke Jüd:innen in Deutschland im Namen der “Antisemitismusbekämpfung” angegriffen: Der Organisation Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost wurde von der Sparkasse Berlin das Konto gesperrt. Dem israelisch-deutschen Historiker Moshe Zuckermann, der den Staat Israel kritisiert und die Verbrechen gegen die Palästinenser:innen benennt, wurde vom Referenten des Bundesbeauftragten für Antisemitismus selbst als Antisemit bezeichnet.
Es wurde versucht, eine Veranstaltung mit Zuckermann zu verhindern, indem man Judentum, Zionismus und Israel in einen Topf wirft und so dem bitter nötigen Kampf gegen Antisemitismus schweren Schaden zufügt.
Antisemitismus und Rassismus sind die Spaltinstrumente der Herrschenden, denen es weder um den Schutz der diskriminierten Gruppen noch darum geht, an der gesellschaftlichen Situation, die den Hass auf sie schürt, etwas zu verändern. Wieso auch? Das Prinzip “Teile und Herrsche” hat sich bewährt und auch große Teile der deutschen „Linken“ springen auf diesen Zug auf. Wer jüdisches Leben angreift, kann kein:e Verbündete:r sein. Wer die eigene „Antisemitismusbekämpfung“ mit Rassismus führt, kann kein:e Verbündete:r sein.
Wer das nicht begreifen kann oder will, sollte sich beim nächsten rassisitischen oder antisemitischen Anschlag seine geheuchelte Anteilnahme sparen.
Der Kampf gegen jede Form der Diskriminierung und Unterdrückung gehört zusammen. Dazu müssen wir ihre Mechanismen verstehen, anstatt uns auf einfache moralisch Urteile zu verlassen. Eine geeinte Arbeiter:innenklasse, die Rassismus und Antisemitismus bekämpft, ist in der Lage, nicht nur Diskriminierungen, sondern auch das System zu überwinden, dem sie entspringen.
Kampf den Antisemitismus!
Kampf dem Rassismus!